„Diagnostik vor Therapie“ ist der Grundgedanke der Zeitgemässen Selektiven Entwurmung. Aufgrund der zunehmenden Wirkstoffresitenzproblematik bei vielen Wurmarten ist es sehr wichtig, nicht blind mit Kanonen auf Spatzen zu schiessen.

Die bisherige Entwurmungsstrategie mit 4 x jährlich wechselnden Wirkstoffen hat zwar die Großen Strongyliden weitgehend ausgerottet, aber die nur vorherrschenden Kleinen Strongyliden haben durch ihren kürzeren Entwicklungszyklus gelernt, sich an die verwendeten Wirkstoffe zu gewöhnen und daher sind einzelne Wirkstoff auf unterschiedliche Wurmpopulationen in vielen Beständen nicht mehr ausreichend wirksam. Diese Wirkstoffresitenzen gilt es durch gezielte Kotuntersuchungen zu finden, um dann die resistenten Wurmstämme durch den Einsatz von wirksamen Wirkstoffen zu vernichten.

Diagnostik vor Therapie entspricht auch der Forderung des tierärztlichen Hausapothekengesetzes nach „evidenz based medicin“ kurzgesagt: „nur bei entsprechendem Nachweis wird ein Medikament gegeben und nach der Behandlung die Wirkung kontrolliert“

Dosierung von Wurmkuren
Warum die Dosierung einer Wurmkur bei einem übergewichtigen Pferd genauso erfolgen sollte, wie bei einem normalgewichtigen…

Fenbendazol (Panacur)

ist im Beipackzettel immer noch mit 7,5mg/kg angegeben. Die Zulassung reicht aber z.B. für Strongyloides westeri beim Fohlen bis 50mg/kg. Dieser Wirkstoff hat die meisten resistenten Würmer. Trotzdem ist er für manche Fälle sehr wichtig. Auf Grund unserer Erfahrungen mit Wirksamkeitskontrollen empfehlen wir diesen Wirkstoff grundsätzlich mit mind. 20mg/kg zu dosieren. Fenbendazol hat außerdem eine immens hohe Dosisbreite und ist in der Praxis quasi nicht überdosierbar. Toxische Wirkung erst bei 15facher Dosierung (dh. Über 100mg/kg) zu erwarten.

Pyrantel hier gilt ähnliches. Pyrantel hat eine Zulassung für Bandwurm, wenn es doppelt dosiert wird. Nebenwirkungen erst ab 6-7facher Dosierung. Auf Grund unserer Erfahrungen mit Wirksamkeitskontrollen empfehlen wir daher grundsätzlich eine großzügige doppelte Dosierung.

Ivermectin & Moxidectin

Beide Wirkstoffe sind stark lipophil. Dh. sie lagern sich stark im Fettgewebe ein. D.h. es ist unwesentlich, ob im Fett Würmer sind oder nicht, denn der Wirkstoff lagert sich unweigerlich im Fettgewebe ein. Infolgedessen wird ein übergewichtiges Pferd, welches man auf Idealgewicht dosiert, zwar im Fett genügend Wirkstoff abbekommen, aber nicht mehr im restlichen Gewebe. Somit entstehen durch Unterdosierung Resistenzen.

Unterdosierungen sind ein wesentlicher Faktor bei der Entstehung von Resistenzen. Eine wirksame Dosierung ist daher unerlässlich und alles andere fahrlässig. Es gäbe eine ganz einfache Maßnahme, um die notwendigen Belastungen durch Entwurmungs-Medikamente zu reduzieren… abmisten!

Wir müssen dringend die Wirksamkeit unserer Medikamente erhalten. Dazu soll nur bei diagnostiziertem Bedarf behandelt werden. Eine Unterdosierung ist hier absolut zu vermeiden.

Wenn entwurmt werden muss, dann ordentlich!

Zum Nachlesen:
Fenbendazol: https://www.vetpharm.uzh.ch/Wirkstoffe/000000004321/0679_01.html Pyrantel: https://www.vetpharm.uzh.ch/Wirkstoffe/000000001568/6836_01.html
Ivermectin: https://www.vetpharm.uzh.ch/Wirkstoffe/000000007028/8867_03.html
Moxidectin: https://www.vetpharm.uzh.ch/Wirkstoffe/000000011350/7065_02.html
Pharmakologie = Wissenschaft von Art und Aufbau der Heilmittel, ihren Wirkungsweisen und ihren Anwendungsgebieten.
Pharmakokinetik = Die Pharmakokinetik beschreibt die Gesamtheit aller Prozesse, denen ein Arzneistoff im Körper unterliegt. Dazu gehören die Aufnahme des Arzneistoffes, die Verteilung im Körper, der biochemische Um- und Abbau sowie die Ausscheidung.
lipophil = Eine Substanz wird als lipophil (gr. „fettliebend“) bezeichnet, wenn sie sich gut in Fetten und Ölen lösen lässt oder ihrerseits Fette und Öle gut lösen.

Quelle: Kotlabor Schmid wurmtest.at